Weihnachten

Veröffentlicht in Aktuelles

 

Selbstgefällige Theologen ertappt man häufig bei dem Gedankenspiel: „Was wäre, wenn Jesus heute auf die Welt käme? Woran würden wir ihn erkennen? Wie lange würde er überleben, bevor er wieder ans Kreuz genagelt wird? Wer würde heute die Anklage formulieren, und wer würde heute über ihn zu Gericht sitzen?“

Natürlich haben in diesem Spiel am Ende immer die „die da Oben“ Blut an Fingern. Selber träfe einen keine Schuld, denn schließlich hätte man ja nichts getan.

Aber bevor es zum Schlimmsten kommt, müsste Jesus auch in unserer Zeit erst einmal erkannt werden.

Würde er über Ungerechtigkeit und Missstände in unserer Gesellschaft, in der Wirtschaft und in der Politik bloggen und dabei sein Leben riskieren? Redete er sich bei „Hart aber fair“ um Sinn und Verstand? Würde er als Globalisierungsgegner beim G20-Gipfel wutentbrannt Brandsätze in Läden schleudern? Oder würde er wöchentlich seitenlange Essays über Liebe und Gerechtigkeit in der Qualitätspresse veröffentlichen? Sehr wahrscheinlich nicht.

Woran würden wir aber Jesus in der heutigen Zeit erkennen - und Jesus steht hier nur stellvertretend für viele ähnliche Protagonisten anderer Religionen.

Ich würde Jesus heute dort suchen, wo sich Menschen mit Herz und Verstand zum Wohle unserer Gesellschaft einbringen, anstatt genüßlich kritisierend an der Außenlinie zu stehen und gute Ratschläge zu verteilen. Vielleicht wäre er zusammen mit anderen Menschen auf einem der zahlreichen Rettungsschiffe im Mittelmeer oder in einem Flüchtlingslager in Libyen. Vielleicht wäre er bei den Bergrettern in den Alpen oder auf einem Seenotrettungskreuzer auf der Nordsee, vielleicht aber auch auf der Intensivstation im Itzehoer Krankenhaus oder im Hospiz. Vielleicht wäre er Lehrer an einer Schule oder Sozialarbeiter in einer Wohngruppe für Kinder, die bedingungslose Liebe nie erfahren haben.

Vielleicht stünde er uns aber auch nur täglich klaglos zur Seite - als Ehefrau und Mutter oder als Ehemann und Vater - ohne dass wir ihn erkennen.

Ich bedanke mich auf diesem Weg bei allen Kolleginnen und Kollegen, bei allen Eltern, bei unseren Schülerinnen und Schülern und bei den vielen Menschen außerhalb unserer Schule, die uns im vergangenen Jahr hilfreich zur Seite standen, für ihre liebevolle Unterstützung. Ihnen allen wünsche ich im Namen unserer Vorstände ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches Jahr 2018.

Jürgen Beckmerhagen

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