Landbauepoche

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LandbauepocheMontag Abend. Erster Schultag nach den Osterferien. Elternabend der dritten Klasse. Im Kreise der Eltern bietet Demeter-Landwirt Wilfried Schümann einen Ausblick auf die Landbauepoche. Die Drittklässler und ihre Eltern werden einen schweren Pflug durch den tiefen Boden eines großen Ackers ziehen. Gleich anschließend eggen sie und säen den Weizen, den die letzte dritte Klasse aus ihrer Ernte bereitgestellt hat. Kurze Zeit später werden die Beikräuter gejätet. Nach den Sommerferien werden unsere Kinder das Getreide ernten, dreschen und das Korn mahlen. LandbauepocheDen Abschluss wird ein Fest bilden, während dessen sie das hart erarbeitete Brot backen, mit anderen teilen und in feierlicher Runde essen. Einen Teil der geernteten Körner wird der nächsten dritten Klasse bereitgestellt.

Eine Mutter fragt Herrn Schümann, wie er Demeter-Bauer wurde. Mit verschmitztem Lächeln erzählt er von merkwürdigen Begebenheiten während seiner Lehrjahre auf dem elterlichen Betrieb, von Tonnen mit Pflanzengift und Totenkopf-Zeichen, von Atemschutzmasken und Handschuhen, von spottenden Nachbarn im Dorf. LandbauepocheNach dem Landwirtschaftsstudium wollten er und seine Frau den elterlichen Betrieb nur übernehmen, sofern sich die Eltern mit der Umstellung auf einen Biobetrieb einverstanden erklären. Andernfalls wollte Herr Schümann ein Psychologiestudium beginnen. Die Eltern zögerten zuerst, erklärten sich dann aber mit der Umstellung einverstanden.

LandbauepocheDanach kam das große Loch: in den ersten drei Jahren, in denen Familie Schümann auf Kunstdünger, Insektizide und Herbizide verzichtete, nährte der Boden weder die Menschen noch das Vieh. Die Nachbarn im Dorf trafen schon Absprachen über die Aufteilung des wertvollen Ackerbodens.

Irgendwann hatte sich der Boden wieder erholt. Seither lacht keiner mehr über Herrn Schümann und seinen Betrieb.

LandbauepocheHerr Schümann deutet den gespannt lauschenden Eltern an, wie er die Ackerkrume in beide Hände nimmt. "In diesem bisschen Erde leben mehr Lebewesen als Menschen diesen Planeten jemals besiedeln werden." Die Rede ist von Würmern, Käfern und unzähligen Einzellern.

Der gesunde Boden lebt und stellt Tier und Mensch die Nährstoffe zur Verfügung, die wir zum Leben brauchen. LandbauepocheDie Erde ist keine Resource, die es auszubeuten gilt. Die Erde ist ein Organismus, dem wir unser Leben verdanken, der uns nährt und in dem alles ist mit allem verbunden ist.

Jürgen Beckmerhagen