Momo - Das Theaterstück der 8. Klasse

Veröffentlicht in Aktuelles

Nicht selten bringt die Theaterarbeit Bewegung in die Klassengemeinschaft. Die Schüler nehmen sich auf der Bühne gegenseitig neu wahr und sehen ihre Mitschüler in einem „anderen Licht“. Und ähnlich wie auch schon auf dem Großsegler zu  Beginn des Schuljahres, findet mancher auf diese Weise auch in der Klassengemeinschaft eine neue, vielleicht auch überraschende Rolle.

Am Ende der Klassenlehrerzeit, der ersten 8 Schuljahre, stehen die Schüler an der Schwelle zum Erwachsenwerden und sind auf der Suche nach ihrer eigenen Persönlichkeit. Sie erleben unbekannte seelische Empfindungen und sehen sich neuartigen Herausforderungen gegenübergestellt. Die Schüler wollen sich und ihre erwachende Persönlichkeit ausprobieren und stoßen im wirklichen Leben dabei schnell an äußere Grenzen.

Die Bühne kann ihnen einen geschützten Raum bieten, in dem sie sich in ihrer Entwicklung probieren können. Die Maske einer Bühnenrolle erleichtert es, Seelisches zum Ausdruck zu bringen und vor anderen zu zeigen. So bietet sich die Gelegenheit, unbekannte Aspekte der Persönlichkeit und neue Ausdrucksmöglichkeiten zu entdecken.

Unsere Klassenlehrerin, Frau Elke Müller, gibt eine nachdenklich stimmende Klasse an die Oberstufe ab, eine Klasse, die mit „Momo“ von Michael Ende ein aktuelleres Thema nicht hätte wählen können.

Momo wohnt in der Ruine des Amphitheaters.Momo wohnt in der Ruine des Amphitheaters.Die Zeiten werden kälter und die Tage kürzer.
Die Gesellschaft der grauen Herren ist am Werk. Sie wollen die Menschen dazu zu bringen, Zeit zu sparen. In Wahrheit aber werden die Menschen um ihre Zeit betrogen. Denn während sie versuchen, Zeit für später zu sparen, vergessen sie, im Jetzt zu leben. Und je mehr man versucht, Zeit zu sparen, desto „kürzer“ werden die Tage und Wochen, am Ende bleibt ihnen - nichts.
So spricht ein grauer Herr auf der Bühne:
„Sie werden es schon merken, dass Ihnen nichts übrig bleibt.“

Aber dieses Nichts ist nicht das Ende unserer Geschichte.
Als die Welt schon fast den grauen Herren gehört, beschließt, der geheimnisvolle „Verwalter der Zeit“, Meister Hora zu handeln. Er hält die Zeit an, wodurch die ganze Welt zum Stillstand kommt. Er schickt seine Schildkröte Kassiopeia mit dem kleinen, und feinfühligen Mädchen Momo, das eine Stundenblume für eine Stunde Zeit in die Hand bekommt, in den Kampf gegen die übermächtig erscheinenden grauen Herren.


„Die Zeit ist das Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. Ob Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft - für mich ist das kein so großer Unterschied..“
Meister Hora


An drei aufeinanderfolgenden Abenden erinnerten wir uns an die Zeit, in der wir selbst noch Kinder waren, Indianer spielten oder vielleicht Verstecken. Versetzten wir uns in unsere Kinder auf der Bühne, wie sie demonstrierten, um die Erwachsenen, die Freunde, und auch ihre Mentoren aufzuwecken. Erlebten mit ihnen das Gefühl, wie immer weniger bleibt, bis niemand mehr da ist.

Die Grauen Herren von der Zeitsparkasse.Die grauen Herren von der Zeitsparkasse.Was begegnet unseren Kindern heute am häufigsten? Sind es vielleicht gerade jetzt auch abwesende Eltern und Erwachsene die kaum mehr Zeit haben? Sind es Arbeitsplätze, die uns alle Zeit rauben, eine Gesellschaft die uns mehr und mehr verschluckt? Pläne, Termine, Sportvereine?

Der Roman „Momo“ von Michael Ende erschien 1973 und könnte gut in unserer Zeit geschrieben worden sein. Das Klassenspiel hat all die, die an einem der 3 Abende Zeit finden konnten, auch nachdenklich zurückgelassen.

Denn so sagt Meister Hora zu seinem Publikum am Ende des Stückes: „Ich habe euch diese Geschichte von Momo gezeigt, als sei sie bereits geschehen. Aber vielleicht passiert das alles erst morgen oder nächstes Jahr. Die Zeit ist das Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. Ob Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft- für mich ist das kein so großer Unterschied..“

Kassiopeia führt Momo zu Meister Hora.Kassiopeia führt Momo zu Meister Hora.Wir danken Frau Müller hiermit ganz besonders für ihre Zeit, für ihre 8 Jahre mit unseren Schülern, einer Zeit, die sicher nicht immer leicht und konfrontationslos ablief, die Kraft und Mut und Liebe brauchte, die Hülle war und Tür, über eine Schwelle hinaus, in ein Leben. Denn Zeit ist das Leben.

Ganz lieben Dank! An all die helfenden Hände nicht nur zum 8.Klass-Stück, sondern auch in den acht Schuljahren davor, die mitwirkten, dass die Klassengemeinschaft wachsen konnte. Und wie sie „gewachsen“ ist! Wir durften es hier sehen und hören.

Wir wünschen Euch, liebe 8.Klasse, einen starken Start in die Oberstufenzeit, immer mindestens eine Möglichkeit zu behalten, euch nicht aus den Augen zu verlieren und füreinander da zu sein. Wir wünschen Euch den Mut zu hinterfragen, ein Stückweit Feingefühl wie Momo. Habt keine Angst davor die Zeit für Euch und Eure Freunde und Familien zu nutzen.

Silva Engelen-Haerter
für die Klassengemeinschaft

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Homepage. Mit der Nutzung unserer Homepage erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok